Unterstützung für Angehörige bei psychischer Gewalt
Psychische Gewalt betrifft nicht nur die unmittelbar betroffene Person. Auch Angehörige, Freundinnen und Freunde oder Kolleginnen und Kollegen stehen oft vor Unsicherheit: Wie kann man helfen, ohne zu eskalieren? Wie spricht man das Thema an? Und wo liegen die eigenen Grenzen?
Diese Seite bietet Orientierung für unterstützende Personen.
Warnsignale ernst nehmen
Wenn eine nahestehende Person:
- häufig verunsichert wirkt,
- sich zunehmend zurückzieht,
- ständig Schuld bei sich sucht,
- Angst vor Reaktionen einer anderen Person äußert,
kann es sinnvoll sein, aufmerksam zuzuhören – ohne vorschnelle Bewertungen.
Gesprächsführung: Was hilfreich sein kann
- ruhig und wertfrei nachfragen
- keine Schuldzuweisungen äußern
- nicht drängen, sofort Entscheidungen zu treffen
- Vertraulichkeit zusichern
Sätze wie „Ich mache mir Sorgen“ oder „Wie geht es dir damit?“ können Gesprächsräume öffnen.
Was eher nicht hilfreich ist
- „Du musst dich sofort trennen.“
- Konfrontation ohne Einverständnis der betroffenen Person
- Bagatellisierung („Das ist doch normaler Streit.“)
- Übernahme vollständiger Entscheidungsverantwortung
Unterstützung bei konkreten Schritten
Angehörige können unterstützen durch:
- Begleitung zu Beratungsstellen
- Hilfe bei der Dokumentation von Vorfällen
- Unterstützung bei organisatorischen Fragen
- Bereitstellung eines sicheren Gesprächsraums
Mehr zur Dokumentation:
Dokumentation von Vorfällen
Wenn Kinder betroffen sind
Besondere Sensibilität ist notwendig, wenn Kinder involviert sind. Ziel sollte immer das Kindeswohl sein.
Mehr dazu:
Instrumentalisierung von Kindern
Eigene Grenzen beachten
Unterstützende Personen können selbst emotional belastet sein. Es ist wichtig:
- eigene Grenzen wahrzunehmen
- sich gegebenenfalls selbst beraten zu lassen
- keine professionelle Rolle zu übernehmen
Professionelle Hilfe einbeziehen
Angehörige können ermutigen, externe Beratung in Anspruch zu nehmen.
Gesellschaftliche Verantwortung
Psychische Gewalt bleibt häufig unsichtbar. Ein unterstützendes Umfeld kann dazu beitragen, dass Betroffene nicht isoliert werden. Gleichzeitig ist eine differenzierte Betrachtung wichtig – nicht jeder Konflikt ist Gewalt.
Wichtiger Hinweis
Diese Informationen ersetzen keine professionelle Beratung. In akuten Gefährdungssituationen sollten Notrufstellen kontaktiert werden.
